Veranstaltungsreihe Lampedusa-Bündnis Göttingen

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Lampedusa-Logo

Am Montag, den 22.06. um 19:30 h wird im Apex die zweite Veranstaltungsreihe des Lampedusa-Bündnisses Göttingen eröffnet werden.

TerminpunktDen Anfang macht diesmal Gerda Heck, Migrationssoziologin und antirassitische Aktivistin aus Berlin. Als Mitarbeiterin des europaweiten Netzwerks zur Unterstützung in Seenot geratener Flüchtlinge und MigrantInnen auf dem Mittelmeer "Watch the Med" wird sie über diese Organisation informieren und einen aktuellen Blick auf die Situation an Europas mörderischstem Genzabschnitt werfen. 22.06., Apex, 19:30

TerminpunktMo., 29.06., 19:30, Holbornsches Haus, Bernd Kasparek über die veränderte Politik der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex.

Das Europäische Grenzregime befindet sich in seiner tiefsten Krise. Seit den Unglücken vor Lampedusa im Oktober 2013, bei der viele Hundert Menschen ertranken, ist die Legitimität der aufgerüsteten und tödlichen Grenze Europas grundlegend in Frage gestellt. Auch die innereuropäische Kehrseite Schengens, das Dublin-System, welches Flüchtlinge innerhalb Europas in einen nicht endenden Kreislauf von Weiterwanderung und Rückschiebung zwingt, ist schwer angeschlagen.

Doch trotz aller Krokodilstränen und Versprechungen auf höchster europäischer Ebene ist der notwendige und radikale Wandel der Europäischen Migrations- und Grenzpolitik nicht eingetreten. Als hätten 15 Jahre europäisiertes Grenzregime nicht ausreichend Lehren über die Unkontrollierbarkeit von Migration gegeben, werden nun die alten Konzepte wieder aus den Schubladen gekramt: Militäreinsätze im Mittelmeer, Lager an den Küsten Nordafrikas sowie ein europäisches Umverteilungssystem, welches nur als "Überdruckventil" den drohenden Kollaps von Dublin abfedern soll.

Gleichzeitig wird in Deutschland wieder an einer verstärkten Repression gegen und Kriminalisierung von Flucht gestrickt.

TerminpunktDonnerstag, 02.07., 19:30, Apex: Film "Staatenlos" (2014) - Leben auf der Warteschleife
Ein Dokumentarfilm von Peyman Saba.
Im Fokus des Dokumentarfilms steht der junge Afghane Ismail Afzali, welcher den Regisseur zu diesem Film nach einer wahren Geschichte inspirierte. Ismail musste sich nach seiner Flucht aus Afghanistan auf eine weitere innereuropäische Flucht begeben um einer Abschiebung in sein Heimatland zu entgehen. Der integrations- und arbeitswillige Afghane gerät nach der Beschaffung seines afghanischen Passes ins Licht der Behörden. Er soll trotz Gefahren im Heimatland abgeschoben werden und begibt sich aus Angst davor auf die Flucht in einige Länder Europas. Sein Schicksal erfasst eine Welle der Solidarität in Bayern. Neben der Geschichte dieses jungen Afghanen beleuchtet der Film das Leben der Flüchtlinge unter anderem in Neuburg und in Passau. Der Film erzählt vom frustrierenden Alltag der Bewohner, dem Leben ohne Arbeitserlaubnis, Depressionen und der Staatslosigkeit.

Peyman Saba wurde 1967 in Teheran/ Iran geboren. Er flüchtete Mitte der 80er aus dem Iran nach Deutschland. Er war als Flüchtling selbst in der Asylbewerberunterkunft Neuburg untergebracht. Heute arbeitet er als Kameramann, schauspielert und ist Synchronsprecher. Der Film „Staatenlos" ist sein erster Dokumentarfilm.
TerminpunktMittwoch, 08.07., 19:00, Lumiere, Film "Boza" (2014) Tunesien 2014, 55 Min., OmU,Regie: Fellah, Walid   

Boza ist ein Wort in der westafrikanischen Sprache Bambara und bedeutet Sieg. Das rufen, wie im Film zu sehen ist, auch MigrantInnen aus Ländern südlich der Sahara, wenn sie es nach oft jahrelangen vergeblichen Versuchen endlich geschafft haben, die militärisch bewachte europäische Außengrenze zu überwinden. Möglichkeiten dazu bieten die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla, die zwar an der marokkanischen Mittelmeerküste liegen, aber formal zur EU gehören. Tausende MigrantInnen leben versteckt in Wäldern rund um die beiden zu Spanien gehörigen Hafenstädte in der Hoffnung, irgendwann über deren mit NATO-Stacheldraht bewehrte Festungsmauern zu gelangen. Bei Versuchen, diese Grenzen zu stürmen, gibt es immer wieder Schwerverletzte und Tote, wie die Kameruner Trésor und Geraud Potago bezeugen können, die auf diesem Weg nach Europa gekommen sind.

Der tunesische Filmemacher Walid Fellah begleitete sie und andere mit seiner Kamera auf ihren klandestinen Reiserouten und nahm auch an dem "Marsch für die Freiheit" von Straßburg nach Brüssel teil, mit dem 400 AktivistInnen im Sommer 2014 gegen die rassistische Migrations- und Grenzpolitik der EU demonstrierten.

Im Anschluss laden wir zum Gespräch ein. Angefragt dafür sind der Filmemacher und Menschen mit eigenen Erfahrungen auf diesen Fluchtrouten.

TerminpunktDonnestag, 09.07., 19:30, ZHG 003, Conquer Babel (GÖ) und Flüchtlinge-Willkommen (Berlin) über Organisierungsbewegungen in der Willkommenskultur.

Flüchtlinge-Willkommen ist eine bundesweite Netzstruktur, die Illegalisierten hilft, an Wohnraum zu kommen. Conquerbabel organisiert einen Dolmetscherpool, vermittelt Wohnungen für Flüchtlinge und ist ativ im Lampedusa-Bündnis.
TerminpunktDienstag, 14.07., 20:00, Reformierte Kirche, Stefan Schmidt, ehemals Kapitän der Cap Anamur über "Die Grenzen in und um uns"

Stefan Schmidt war Capitän auf der Cap Anamur und wurde 2004 wegen Fluchthilfe angeklagt – und 5 Jahre später freigesprochen. Heute ist er Flüchtlingsbeauftragter in Schleswig-Holstein und aktiv bei borderline-europe. Stefan Schmidt berichtet im Vortrag mit kleinen Videos von seiner früheren und heutigen Arbeit.
TerminpunktSamstag, 18.07., 12 - 16 h, Gänseliesel, Das Lampedusa-Bündniss und das antirassistische Vernetzungsplenum laden ein zum antirassistischen Aktionstag
TerminpunktMittwoch, 22.07., 17 - 22 h, Café Inti, Welcome –Café- International - Fest.
Immer mittwochs von 17-19 Uhr heißt es im Café Inti in der Burgstrasse 17: Willkommen im Café International! Bei von vielen Gästen finanzierten Soligetränken kommen Flüchtlinge und Göttinger_innen  miteinander ins Gespräch. Am 22.7 werden die ersten erfolgreichen Wochen des Begegnungscafés mit einem Welcome –Café- International - Fest gefeiert! Interessierte sind herzlich eingeladen