Redebeitrag zur Demo "It hits you like a boomerang - Gegen alltäglichen Sexismus" am 10.03.2012, Göttingen

Wir vom AntiraAktionsplenum möchten uns auf eine Pressemitteilung beziehen, die von Les Migras für den 8. März zum Thema Mehrfachdiskriminierung herausgegeben wurde und damit versuchen, verschiedene Forderungen zusammenzubringen. Les Migras ist eine LesbischBisexuelle Migrant_innen, Schwarze Lesben und TransMenschen-Gruppe aus dem Antidiskriminierungs- und Antigewaltbereich der Lesbenberatung Berlin.

Hier an dieser Stelle, der Ausländerbehörde Göttingen, stehen wir an einer Institution die jeden Tag Menschen in verschiedene Kategorien aufteilt und damit über ihr Leben bestimmt. Sie entscheidet über Bewegungsfreiheit, Heirat, Familienzusammenführung, über ihren Aufenthalt, die Duldung die nächste Abschiebung oder den Verbleib. Für Flüchtlinge und vor allem für Frauen wurde geschlechtsspezifische Verfolgung in Deutschland erst 2005 als Verfolgungsgrund anerkannt. Selbst die Misshandlung von Polizei, Sicherheitskräften oder in Haft wurde bis dahin nicht als vom Staat ausgehend eingestuft und den Frauen ein Aufenthaltsrecht verweigert.
Von der Ausländerbehörde werden Frauen durch repressive Flüchtlingsgesetze in die Illegalisierung getrieben. Genau das haben wir vor zwei Wochen bei Frau Saciri hier in Göttingen erlebt.

Die Ausländerbehörde soll heute als Symbol gelten, für bewusste politische und gesellschaftliche Unterteilung von Menschen in solche mit Privilegien und Rechten und solche, denen diese verweigert werden.
Die Konstruktionen von Grenzen, Nationalität und Geschlecht haben einiges gemeinsam. Sie engen ein, sind vermeintlich naturgegeben und scheinen für viele unveränderlich. Andere profitieren von der Macht, bestimmen zu können, welchem Geschlecht ich zugeordnet werde und wie und mit wem ich wo leben soll. Frau sein als Kategorie ist historisch, gesellschaftlich und politisch gemacht. ?Ausländer? sein eine Erfindung. Aber durch gesellschaftliche Normen und Gesetze spürbar gemachte Realität.

Der 8. März steht für die Frauenbewegung, aber welcher Frauen? Frauen sind nicht alle gleich. Wir wollen mitdenken, dass die weiß-deutsche-heteroPerspektive, auch bei den Aktionen zum 8. März dominiert. Eine lesbische oder bisexuelle Frau bzw. ein Trans*Mensch lebt nicht nur lesbisch, bi und/oder Trans*, sondern hat immer auch eine kulturelle und soziale Herkunft, eine Hautfarbe, einen Körper mit bestimmten Befähigungen oder Beeinträchtigungen , ein Alter, einen soziales Status, eine oder mehrere Genderidentität(en)

Wir fordern die Mehrfachdiskriminierung, von Schwarzen FrauenLesbenTrans*, intersexuellen Menschen, Illegalisierten, People of colour sichtbar zu machen!

Die Aberkennung der Selbstbestimmung, durch Zwangspsychatrisierung von Trans* Kindern und Erwachsenen sowie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Menschen ohne deutschen Pass, bekämpfen.

Die Kategorien denen wir zugeordnet werden sind vielfältig und vielfältig ist deswegen auch die Diskriminierung.
Doch wir stehen hier heute nicht, um zu klagen, sondern um anzuklagen, um den unerträglichen Zuständen an Stammtischen und Amtsstuben, in Verwaltungen und Polizeiwachen, in Knästen und Parlamenten unsere Entschlossenheit im Kampf um menschliche Verhältnisse entgegenzusetzen.
Lasst uns ein Komplott ausrufen gegen die Unmenschlichkeit!

Festungsmauern und Grenzzäune einreißen!

Den rassistischen Sondergesetzen die tägliche Sabotage erklären!
Keine Toleranz für jegliche Herrschaftssysteme!
Die Mauern in unseren Köpfen einreißen!
Kein Frau ist illegal !

Kampf dem sexistischen und rassistischen Normalzustand!